Die VDI-Richtlinie 4602 definiert „Energiemanagement“ als „die vorausschauende, organisierte und systematisierte Koordination von Beschaffung, Wandlung, Verteilung und Nutzung von Energie zur Deckung der Anforderungen unter Berücksichtigung ökologischer und ökonomischer Zielsetzungen.“

Durch das Energiedienstleistungsgesetz (EDL-G) sind alle größeren Unternehmen verpflichtet, bis zum 5. Dezember 2015 erstmals die Durchführung von regelmäßigen, systematischen Untersuchung ihrer Energieflüsse und Energieeffizienz nachzuweisen. Das geforderte Audit gemäß der Europäischen Norm 16247 kann hier der Einstieg in ein Energiemanagement (EM) nach ISO 50001 sein. Sie bietet den Rahmen für kontinuierliche Verbesserungen. Ihre Umsetzung wird extern zertifiziert und überwacht, beispielsweise vom TÜV Süd, und erfüllt auch implizit die Audit-Forderung des EDL-G.

Energiemanagement in der Praxis: ISO 50001

Seit Dezember 2011 dient die Norm ISO 50001 Betrieben in Deutschland als Leitfaden zum Aufbau eines EM-Systems. Dadurch sollen ungenutzte Effizienzpotenziale erschlossen, Energiekosten verringert und Umweltauswirkungen (wie CO2-Emmissionen) reduziert werden. Abschnitt 4 der ISO 50001 regelt diese Systeme: Allgemeine Anforderungen, Verantwortung des Managements, Energiepolitik, Energieplanung, Einführung und Umsetzung, Überprüfung, Managementbewertung.

Die Norm legt den Schwerpunkt – wie viele Managementnormen – auf einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess, um die jeweiligen Organisationsziele zu erreichen:

  1. Planung – Es soll ein Energiebeauftragter oder ein Energieteam benannt, die angestrebte Energiepolitik formuliert und intern kommuniziert werden. Es erfolgt zudem eine erste Bewertung: Eingesetzte Energieträger, Energienutzung, Energiekosten.
  2. Umsetzung – Die festgelegten Ziele und Prozesse werden mit Hilfe eines Systems zum EM verwirklicht.
  3. Überprüfung – Interne Audits zur Einhaltung und Bewertung der energierelevanten Vorschriften mit Dokumentation der Ergebnisse. Diese sind der Unternehmensführung zu berichten.
  4. Verbesserung – Die Geschäftsleitung bewertet die Audits schriftlich und leitet Korrektur-, Vorbeuge- und weitere Maßnahmen ein: Optimierung energierelevanter Prozesse und Definition neuer Ziele.

Energiemanagement für Energieeffizienz

Die Zertifizierung eines EM nach ISO 50001 erfolgt durch eine akkreditierte Organisation. Diese bestätigt die Konformität des im Unternehmen implementierten Systems mit der ISO-Norm und gilt nach innen und außen als Nachweis für ein funktionierendes EM. So hilft sie, umweltorientiertes Handeln zu kommunizieren. Für besonders energieintensive Unternehmen ist eine Zertifizierung darüber hinaus Voraussetzungen für eine Reduzierung der EEG-Umlage.

Basis für eine Energiestrategie stellen die Werte des Unternehmens dar. Mit der ISO 50001 kann eine Energiepolitik als strategische Vorgabe entwickelt werden, die operative Energieziele vorgibt und mit Aktionsplänen erreicht. Ein konsequentes EM kann den Energiebedarf um rund 20 Prozent verringern. Es leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Nachhaltigkeit, zum Umwelt- und Klimaschutz und trägt dazu bei, den Primärenergieverbrauch in Deutschland bis 2020 um 20 Prozent gegenüber 2008 zu senken.

 
 
Bettina Gehbauer-Schumacher

Bettina Gehbauer-Schumacher

1973 in Darmstadt geboren. Architekturstudium an der TU Darmstadt, Diplom 2001. Berufsbegleitendes Fernstudium PR+plus, 2004 Abschluss als PR-Beraterin (DPRG). Ab 2001 kontinuierlich in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig, seit 2006 freie Journalistin, Autorin und Leiterin des Büros „Smart Skript – Fachkommunikation für Architektur und Energie“: Konzepte, Redaktion, Veranstaltungen.

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