Der Begriff „Kreditklemme“ stammt aus der Zeit der Finanzkrise 2007/2008 und ist seitdem in der Versenkung verschwunden. Es könnte allerdings sein, dass dieser Begriff in den nächsten Jahren wieder auftauchen wird. Denn in den Banken ändert sich gerade sehr viel. Und das wird sich auch auf das Firmenkreditgeschäft der Banken und Sparkassen auswirken. Daher heißt es für Unternehmen: Die Hintergründe kennen und klare Schlussfolgerungen ziehen.

Warum Kreditinstitute bei Firmenkrediten noch genauer hinschauen müssen

Die Medien berichten in letzter Zeit häufiger darüber, dass Sparkassen und Genossenschaftsbanken Filialen schließen und Personal einsparen. Bei den Großbanken hat die Unicredit/Hypovereinsbank damit begonnen, die Commerzbank hat das Thema nach der Fusion mit der Dresdner Bank bereits abgearbeitet, die Deutsche Bank ist gerade mitten im Filial-Schließungs-Prozess. Und jetzt folgen auch die lokalen und regionalen Institute.

Der Hintergrund:

  • Die anhaltende Tiefzinsphase drückt auf die Zinsüberschüsse der Banken. Der Zinsüberschuss in der Gewinn- und Verlustrechnung einer Bank heißt: Zinsertrag aus Krediten abzüglich Zinsaufwand für die Kundeneinlagen. Bei den Kundeneinlagen können Banken und Sparkassen nicht mehr weiter runter gehen bei Zinssätzen von z.B. 0,05 % p.a. für Spareinlagen. Es sei denn, sie würden Negativzinsen berechnen. Bei den Zinserträgen kommt aber immer weniger Geld in die Kasse. Denn vor Jahren gegebene Kredite mit noch höheren Zinssätzen werden getilgt. Und neue Kredite werden zu immer niedrigeren Zinssätzen verliehen. Konsequenz: Der Zinsüberschuss sinkt kontinuierlich. Die Institute rechnen mit einem Rückgang von 20 – 25% in den nächsten drei bis vier Jahren.
  • Gleichzeitig steigen die ganz „normalen“ Kosten, wie etwa Gehälter weiter. Dazu steigen die Kosten der zunehmenden Regulierung durch die Bankaufsichtsbehörden. Und gerade die kleineren Banken und Sparkassen sind davon besonders betroffen.

Also müssen die Kosten runter. Denn: Der Zinsüberschuss ist die Hauptertragsquelle der Institute. Er macht im Durchschnitt 75% aller Erträge aus. Und wenn diese deutlich zurückgehen – was würden Sie als Unternehmerin und Unternehmen tun?!

Die Konsequenzen für die Kreditvergabe

Neben der Kostensenkung müssen die Institute zudem darauf achten, dass sie sich möglichst keine neuen Kreditrisiken in die Bankbilanz holen oder sich die Bonität bereits vorhandener Kreditnehmer nicht verschlechtert.

Denn: So viel Kosten können Banken und Sparkassen gar nicht senken, um den Rückgang des Zinsüberschusses auffangen zu können. Das bedeutet: Die Gewinne der Institute werden sinken. Dieser Prozess läuft bereits und wird sich weiter verschärfen. Konsequenz: Die Institute können sich weniger bzw. gar keine Kreditrisiken mehr leisten, weil ihre Ertragskraft nicht mehr ausreichen wird, diese Risiken abzufedern.

Also werden die Institute die Anforderungen an ihre Kreditnehmer erhöhen:

  • Mehr und aktuellere Informationen zu deren wirtschaftlichen Situation und Entwicklung
  • Mehr Sicherheiten
  • Mehr Zinsen und Gebühren

Darauf sollten sich Unternehmer einstellen.

 
 
Carl-Dietrich Sander

Carl-Dietrich Sander

20 Jahre leitende Tätigkeit in Banken, zuletzt neun Jahre Vorstandsmitglied einer Volksbank. Seit 1998 freiberuflicher UnternehmerBerater mit den Schwerpunkten Finanzierung, Liquidität, Rating und Bankenkommunikation. Leiter der Fachgruppe „Finanzierung-Rating“ im Verband Die KMU-Berater – Bundesverband freier Berater e.V. Autor des Buches: „Mit Kreditgebern auf Augenhöhe verhandeln – Praxisleitfaden zur Bankenkommunikation für Unternehmer und Berater" aus dem NWB-Verlag.

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