Ein scharf kalkuliertes, eigentlich unauskömmliches Angebot erhält den Zuschlag im Rahmen eines öffentlichen Ausschreibungsverfahrens. Das ist schlecht für den mit der Bauleitung/Bauüberwachung beauftragten Ingenieur oder Architekt. Er kann sich von Anfang an darauf einstellen, dass das Verhalten bei Nachträgen, die den schlechten Preis „heilen“ sollen, umso aggressiver sein wird – „und oft haben dann auch mehr Nachträge Erfolg“, sagt Dr.-Ing. Ulrich Scholz, ISP Scholz Beratende Ingenieure AG, Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau.

Mehr Überwachung gefragt

Der Ingenieur weiß, dass in solch einem Fall die Überwachung der Ausführung auf der Baustelle umso intensiver sein muss, weil die Firma unvermeidbar an der Qualität – des Personals, des Materials usf. – sparen muss. Das Honorar für die Bauüberwachung hängt aber vom Preis ab – doppelt ungünstig für den Bauüberwacher!

Aus ihrer Praxis kennt Christine Machacek, Geschäftsführerin der Säbu-Holzbau GmbH mit Sitz im Allgäuer Biessenhofen, viele Ausschreibungen, die zum einen durch zu detaillierte Leistungsbeschreibungen keinerlei Freiraum für auch wirtschaftlich interessante technische Alternativen lassen und auf die zum anderen kaum qualifizierte Angebote eingehen, oder die Angebote sprengen den gesteckten Kostenrahmen. Nicht selten aber müsse dann erneut ausgeschrieben werden, eventuell als beschränkte Ausschreibung – was natürlich Zeitverzug bedeutet.

Auch bei Planungsleistungen gilt: Für weniger Geld gibt es weniger geistige Leistung. Dr. Scholz erlebte ein Projekt, bei dem ein Umbau mit Instandsetzung ausgeschrieben worden war. Der Planer mit dem günstigsten Angebot erhielt den Zuschlag. Letztlich wurde abgebrochen und neu gebaut, indem der Planer „bewies“, dass Umbau und Instandsetzung nicht möglich seien. Setzt ein Architekt darauf, mit einem besonders günstigen Angebot in einem Vergabeverfahren den Auftrag zu gewinnen, dann kann er zum Beispiel einen 0-8-15-Entwurf mit kleineren Varianten vorlegen statt echte Alternativvorschläge, zwischen denen der Auftraggeber entscheiden kann.

Eingespieltes Team versus Korruptionsprävention

Bei VOF-Verfahren gab es viele Bemühungen, auf Qualität abzustellen, sagt Dr. Scholz. Qualität entstehe aber beispielsweise durch das intensive Zusammenspiel von Planung und Bauherr, von Architekt und Team (zum Beispiel Tragwerksplaner, Heizungs- und Sanitärplaner, Elektroplaner, Bauakustiker, Bauphysiker, u.v.a.). Ersteres dürfe gemäß der Vergaberegeln aber nicht gepflegt werden, Mauscheleien sollen unterbunden werden. Und durch die Ausschreibungsverfahren würden oft Planungsteams zerschlagen, deren Ergebnisse umso besser sind, wenn auch die Chemie zwischen den Personen stimmt und die Abstimmungsprozesse funktionieren.

Da fallen dann Gewerke, die den Architekten bei seiner Planung berieten, schon in der Bewerbungsphase heraus – was natürlich den Projekterfolg beeinträchtigen kann und die Gewerke auch nicht zu beratenden Vorableistungen motiviert. Korruptionsprävention ist sehr wichtig und hat ihren Grund, betont Dr. Scholz. Ein Königsweg, dieses Problem zu lösen, sei daher nicht zu erkennen.

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Beatrix Körner

Beatrix Körner

Promotion in Politikwissenschaften. Ressortleiterin (Print, Web) bei der Bayerischen Staatszeitung, u.a. verantwortlich für den Bereich Planen & Bauen, Ausschreibung & Vergabe. Heute freiberufliche Beratungstätigkeit im Bereich Marketing & Kommunikation (online, offline, multimedial), Öffentlichkeitsarbeit & PR, Messe- & Eventmanagement.

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