Eine Autobahn wird im PPP-Verfahren erstellt. Man kann viele gute Gründe gegen PPP anführen, aber: „Ich war wirklich überrascht über die ausgeklügelten Qualitätssicherungsmaßnahmen des Konsortiums auf Bieterseite“, sagt Dr.-Ing. Ulrich Scholz, ISP Scholz Beratende Ingenieure AG, Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Der Grund ist einfach: Die Unterhaltskosten über den vertraglich vereinbarten Zeitraum haben die Bieter zu tragen. Das bringt den Lebenszyklusaspekt schon in der Planungsphase zum Tragen.

Wirtschaftlichkeit und Lebenszykluskosten

Es gibt in manchen Ausschreibungen Ansätze, die Wirtschaftlichkeit auf den Lebenszyklus zu beziehen, die Kosten für die Errichtung und für den Betrieb für einen bestimmten Zeitraum bei der Wertung zu berücksichtigen, sagt Dr. Scholz. Und wenn beispielsweise ein Tunnel ein Jahr früher fertiggestellt wird als mit der in der Leistungsbeschreibung enthaltenen amtlichen Lösung, dann muss der Bieter für diese im Nebenangebot dargelegte Alternative den volkswirtschaftlichen Vorteil darlegen, um die Wirtschaftlichkeit zu belegen.

Für die Ausschreibung und Bewertung solcher Projekte ist hohe Professionalität gefragt. Die Staatsbauverwaltung und die großen Städte halten noch immer gute Fachkompetenz in den eigenen Reihen vor, sagt Dr. Scholz, anders als in vielen kleineren Kommunen. Schwierig werde es dann, wenn die von Kommunen zum Ausgleich hinzugezogenen freiberuflichen Ingenieure und Architekten ausschließlich nach dem Stundensatz ausgewählt werden, statt ihnen einen auskömmlichen Preis zuzugestehen.

Beim privaten Bauen könne jenseits des Preises oft der persönliche Eindruck in die Zuschlagsentscheidung mit einbezogen werden, so Dr. Scholz, beispielsweise gewonnen im Verhandlungsgespräch mit den drei Bietern in der engsten Auswahl auf einer Referenzbaustelle. „Der Zustand der Baustelle verrät sehr viel über die Art des Bauens.“
Dieses Vorgehen stehe dem öffentlichen Auftraggeber nicht zur Verfügung – berechtigterweise, sagt Scholz, um Korruption vorzubeugen.

Rückbau und Umnutzung einplanen

Ein Beispiel für die Betrachtung von Lebenszykluskosten bei Ausschreibungen nennt Christine Machacek, Geschäftsführerin der Allgäuer Säbu-Holzbau GmbH. Gerade im Bildungsbereich werden des Öfteren Gebäude für eine Standzeit von beispielsweise zehn Jahren ausgeschrieben, weil sie dann nicht mehr benötigt werden. Sie sollen dann rückbaubar konzipiert sein, um sie an einem anderen Standort wieder aufbauen zu können. „Dadurch kosten sie natürlich mehr, das wird von den Auftraggebern dann auch berücksichtigt und bezahlt.“, sagt Christine Machacek.

Bei mancher Flüchtlingsunterkunft werde andererseits derzeit auf eine Lebenszeit von nur fünf Jahren abgestellt, obwohl es sich um keine Billigbauten handelt, bedauert die Geschäftsführerin. Aber auch bei der Bauaufgabe Flüchtlingsunterkunft gebe es in vielen Vergabestellen gerade in Ballungsräumen ein Bewusstsein dafür, den Lebenszyklus mit zu betrachten. Diese Vergabestellen zielten mit ihren Ausschreibungen dann auf eine Objektplanung ab, die eine Umnutzung von Flüchtlingsunterkünften beispielsweise als Sozialwohnungen mit denkt. Christine Machacek: „Wichtig ist, dass die Ausschreibung uns als Bietern Spielraum lässt, unsere Ideen und Konzepte einzubringen für ein Gebäude, das sich umnutzen oder an einem neuen Standort wieder aufbauen lässt. Diesen Mehrwert sollten Bauherren wirklich nutzen.“

 
 
Beatrix Körner

Beatrix Körner

Promotion in Politikwissenschaften. Ressortleiterin (Print, Web) bei der Bayerischen Staatszeitung, u.a. verantwortlich für den Bereich Planen & Bauen, Ausschreibung & Vergabe. Heute freiberufliche Beratungstätigkeit im Bereich Marketing & Kommunikation (online, offline, multimedial), Öffentlichkeitsarbeit & PR, Messe- & Eventmanagement.

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