Das Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen wurde vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB) 2009 entwickelt. Es stellt ein umfassendes Bewertungssystem für Gebäude dar. Es ist mit anderen nationalen oder regionalen Auszeichnungen für „grüne“ Immobilienprojekte vergleichbar, die durch die zunehmende Bedeutung umweltfreundlicher Bauweisen entstanden sind.

Das Konzept des deutschen Systems betrachtet durchgängig alle wesentlichen Aspekte des nachhaltigen Bauens: Ökologie, Ökonomie, soziokulturelle und funktionale Aspekte, Technik, Prozesse und Standort. Diese Faktoren müssen für eine gute Bewertung zusammen spielen. Durch dieselbe Gewichtung der ersten vier Themenfelder ist das DGNB-System das einzige, das wirtschaftliche Belange den ökologischen gleichstellt. Die Bewertungen beziehen sich stets auf dem gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes.

Nachhaltigkeit erfassen

Das DGNB-System will die Nachhaltigkeit von Gebäuden und Quartieren objektiv beschreiben und bewerten. Dabei zählen nicht einzelne Maßnahmen, sondern die jeweilige Gesamtperformance. Zertifiziert wird deshalb die Erfüllung von bis zu 40 Nachhaltigkeitskriterien aus den sechs oben genannten Themenfeldern. Die DGNB-Zertifikate für Neubauten gibt es in Platin, Gold und Silber. Auch eine Vorzertifizierung in der Planungsphase ist möglich. Zusätzlich können Bestandsbauten ab einem Gesamterfüllungsgrad von 35 Prozent die Auszeichnung Bronze erhalten.

Für jedes Kriterium hat die DGNB Zielwerte definiert. Für deren Erreichen werden bis zu zehn Bewertungspunkte vergeben. Je nach Nutzungsprofil kommen angepasste Gewichtungen zur Anwendung. Aus der Kombination dieser Punkte und ihrer Gewichtung errechnet sich dann der konkrete Erfüllungsgrad für die sechs Themenfelder. Für ein Zertifikat müssen sowohl die jeweiligen Themengebiete als auch der Gesamterfüllungsgrad eine Benchmark erzielen. Für Platin sind beispielsweise ein Erfüllungsgrad von mindestens 65 Prozent in den ersten fünf Themengebieten und ein Gesamterfüllungsgrad von 80 Prozent notwendig.

DGNB und andere Bewertungssysteme

Von der DGNB qualifizierte Auditoren stellen die Vor- und Endzertifikate aus. Das System ist international anwendbar, denn es kann auf unterschiedliche Gebäudenutzungen und länderspezifische Anforderungen angepasst werden. In Europa ist zudem BREEAM (Building Research Establishment Environmental Assessment Methodology) verbreitet: Ein ursprünglich aus Großbritannien stammendes Bewertungssystem für ökologische und soziokulturelle Aspekte von Gebäuden. Zuerst wurde es vom Building Research Establishment 1990 publiziert. Es misst die Nachhaltigkeit anhand verschiedener Kategorien, angefangen von der Energie bis zur Ökologie. Andere Systeme wie das nordamerikanische LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) lassen sich nicht so einfach auf den europäischen Markt übertragen, da die zugrunde liegenden nationalen Betrachtungen hier nicht ohne weiteres anwendbar sind. Diese freiwilligen Zertifikate ersetzen im Ausland oft gesetzliche Regelungen, wie sie in Deutschland unter anderem durch die Energieeinsparverordnung gegeben sind.

 
 
Bettina Gehbauer-Schumacher

Bettina Gehbauer-Schumacher

1973 in Darmstadt geboren. Architekturstudium an der TU Darmstadt, Diplom 2001. Berufsbegleitendes Fernstudium PR+plus, 2004 Abschluss als PR-Beraterin (DPRG). Ab 2001 kontinuierlich in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig, seit 2006 freie Journalistin, Autorin und Leiterin des Büros „Smart Skript – Fachkommunikation für Architektur und Energie“: Konzepte, Redaktion, Veranstaltungen.

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