Ungefähr ein Drittel des deutschen Staatshaushaltes und damit 300 bis 400 Mrd. Euro fließen jedes Jahr in Beschaffungsmaßnahmen, großteils in Bauaufträge, geschätzt 20 Mrd. Euro in IT-Einkäufe, sagt Felix Zimmermann, Bereichsleiter Public Sector beim Digitalverband Bitkom mit Sitz in Berlin.

Öffentlicher Auftrag als förderliche Referenz für Startups

Für Startups seien öffentliche IT-Aufträge besonders reizvoll: zum einen wegen der guten Bonität des Auftraggebers, zum anderen weil staatliche Institutionen in der Referenzliste ein großes Plus seien. „Für junge Unternehmen mit hochinnovativen Produkten kann dies das Zünglein an der Waage für Folgegeschäfte bedeuten.“

Felix Zimmermann sieht angesichts der Nachfragemacht auch den Staat in der Pflicht. Mit einem strategisch ausgerichteten IT-Einkauf, der speziell auch Startups berücksichtigt, könnte – und sollte – er Entwicklungsimpulse setzen und dafür sorgen, dass innovative Lösungen beispielsweise für das politisch so hoch gehandelte E-Government, entwickelt werden. „Bereits ein Prozent der geschätzt 20 Mrd. Euro für IT-Käufe ergäbe ein stattliches Innovationspaket von rund 200 Mio. Euro.“ Und die Zahl junger Startups in der IT-Branche ist sehr groß, es gäbe einen intensiven (Ideen-)Wettbewerb.

Allerdings, das weiß Felix Zimmermann, finden in der Realität öffentliche IT-Beschaffung und Startups kaum zusammen, und das, obwohl das Vergaberecht kleine und mittlere Unternehmen explizit bei Ausschreibungen berücksichtigt sehen möchte und obwohl die Politik den Digitalisierungsrückstand der deutschen Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft behoben wissen möchte.

Um hier Abhilfe zu schaffen, müsse, so fordert der Bitkom, die behördliche Leitungsebene das Signal für einen innovativen strategischen Einkauf geben, damit Bedarfsträger und Vergabestellen nicht Startups durch übermäßig sicherheitsbedachte Anforderungen die Zuschlagschance nehmen. Zudem seien Start-ups gezielt schon bei der Markterkundung zu berücksichtigen. Schließlich müsse die Möglichkeit vorgesehen werden, die Budgetplanung laufend zu überdenken. Zimmermann: „Angesichts der Innovationsgeschwindigkeit in der IT kann es schnell passieren, dass zwar inzwischen eine günstigere und hochwertigere Einzeltechnologie mit zusätzlichem Mehrwert auf den Markt kommt, ihre Beschaffung aber daran scheitert, dass die Budgetplanung noch mehrere Technologien vorsieht.“

Funktionale Leistungsbeschreibung und Nebenangebote

Wie auch viele Planungsexperten im Bausektor wünscht sich die IT-Branche funktionale Leistungsbeschreibungen und die Zulassung von Nebenangeboten, um den Wettbewerb um effektive und auch innovative Lösungen zu beleben. Eine Beteiligung von Startups setzt aber zudem voraus, dass die Eignungsanforderungen „auf ein verhältnismäßiges Maß reduziert werden. Dabei dürfen lediglich die tatsächlichen Risiken für die Leistungserbringung eine Rolle spielen“.

Felix Zimmermann weiß aber: Vergabestellen müssen auch die Zeit und den finanziellen Spielraum bekommen, die für eine strategische Beschaffung erforderlich sind, ob in der IT, bei Planungen oder bei Bauvorhaben.

 
 
Beatrix Körner

Beatrix Körner

Promotion in Politikwissenschaften. Ressortleiterin (Print, Web) bei der Bayerischen Staatszeitung, u.a. verantwortlich für den Bereich Planen & Bauen, Ausschreibung & Vergabe. Heute freiberufliche Beratungstätigkeit im Bereich Marketing & Kommunikation (online, offline, multimedial), Öffentlichkeitsarbeit & PR, Messe- & Eventmanagement.

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