Zertifikate, Kennzeichnungen und Siegel sollen dem Verbraucher Hilfe bei der Einschätzung eines Produkts oder einer Dienstleistung geben. Allein der „Ecolabel Index“ enthält zurzeit 465 Umwelt- und Sozialsiegel aus 199 Ländern und 25 Branchen. Der überwiegende Teil von ihnen entstand im letzten Jahrzehnt. Um Verbrauchern und Einkäufern dazu einen strukturierten Überblick geben zu können, wurde das Projekt „Qualitätscheck Nachhaltigkeitsstandards“ der Bunderegierung ins Leben gerufen. Aufgabe ist, einen einheitlichen Bewertungsrahmen für Umwelt- und Sozialsiegel zu schaffen. Die entwickelte Vergleichsmethodik dient inzwischen als Basis für entsprechende Internetportale.

Plattformen des Bundes zur Siegelqualität

Drei Portale sollen qualitative Aussagen über den jeweiligen Standard treffen:

  • „Siegelklarheit“ ging 2015 online. Inzwischen enthält es 77 Siegel in den sieben Produktgruppen „Textilien“, „Papier“, „Laptops & Co.“, „Holz“, „Lebensmittel“, „Wasch- und Reinigungsmittel“ sowie „Natursteine“. Wichtige Zusatzfunktion für den Verbraucher bietet eine mobile App: Wenn das relevante Siegel am Verkaufsort gescannt wird, zeigt die Anwendung umgehend die dazugehörige Gesamt- und Detailbewertung an. Zudem kann dieses Siegel mit anderen verglichen werden. Das Regierungsvorhaben ist als Leuchtturmprojekt ausgezeichnet, denn es setzt Ziele und Methoden der Nachhaltigkeit praktisch um.
  • Der „Kompass Nachhaltigkeit“ ist ein praxisorientiertes Angebot für Verantwortliche in der öffentlichen Beschaffung sowie in kleinen oder mittleren Unternehmen zur Ausschreibung und Auswahl sozial fairer und umweltbewusster Waren und Dienstleistungen.
  • Das englischsprachige „Expert Tool“ bietet demnächst Einkäufern, die in global agierenden Unternehmen tätig sind, Unterstützung.

Damit einzelne Siegel aufgenommen werden können, müssen sie bestimmte Mindeststandards erfüllen. Dazu gehören Informationen darüber, wie das Siegel entstanden ist, wer es finanziert und welche Sanktionsmaßnahmen es gibt. Zudem sind Umweltfreundlichkeit und Sozialverträglichkeit ausschlaggebend. Sie werden nach der Methodik des Gesamtprojekts tiefergehend analysiert und qualitativ bewertet. Um aufgenommen zu werden, genügt es, entweder zu Sozial- oder Umweltstandards umfassend Auskunft zu erteilen. Als Abstufung gibt es die „graue Kategorie“, wenn ein Siegel nicht sämtliche Kriterien erfüllt oder erfüllen möchte. Derzeit gibt es 45 „graue“ unter den insgesamt 77 Siegeln.

Siegel als praktische Orientierungshilfe

Durch die an Bedeutung gewinnende Nachhaltigkeitsberichterstattung, die für große Unternehmen Pflicht ist, müssen Organisationen zunehmend dokumentieren, wo und wie sie in punkto Ökonomie, Ökologie und Soziales nachhaltig agieren. Auch die öffentliche Auftragsvergabe in Deutschland sieht seit 2016 größere Gestaltungsspielräume für die Berücksichtigung sozialer und ökologischer Kriterien vor. Ziel ist, dass das wirtschaftlichste Angebot mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis den Zuschlag bekommt. Bei der Beurteilung einzelner Siegel können die oben genannten Portale hierzu konkrete Hilfe bieten.

 
 
Bettina Gehbauer-Schumacher

Bettina Gehbauer-Schumacher

1973 in Darmstadt geboren. Architekturstudium an der TU Darmstadt, Diplom 2001. Berufsbegleitendes Fernstudium PR+plus, 2004 Abschluss als PR-Beraterin (DPRG). Ab 2001 kontinuierlich in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig, seit 2006 freie Journalistin, Autorin und Leiterin des Büros „Smart Skript – Fachkommunikation für Architektur und Energie“: Konzepte, Redaktion, Veranstaltungen.

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