Der Anteil der Erneuerbaren an der Bruttoenergieerzeugung soll laut Umweltbundesamt in 2030 bei mindestens 30 Prozent und 2050 bei über 80 Prozent liegen. In 2014 wurde nach Angaben des Wirtschaftsministeriums bereits ein Anteil von 27,8 Prozent erreicht. Weil Wind und Sonne aber nicht permanent zur Verfügung stehen, muss die wachsende Volatilität durch den Einsatz der Erneuerbaren ausgeglichen werden, um die Versorgung sicher zu stellen. Eine Möglichkeit, die Angebot und Nachfrage in Einklang bringt, ist das Demand-Side-Management. Mit ihm können Industriebetriebe sowohl einen Beitrag zur Energiewende als auch zur Stabilität der Stromnetze leisten. Gleichzeitig lassen sich damit Erlöse erzielen.

Was versteht man unter Demand-Side-Management (DSM)?

DSM kann sich auf den Wasserkonsum, die Nutzung von Verkehrsinfrastrukturen oder, wie hier näher ausgeführt, auf den Energieverbrauch beziehen. Die Laststeuerung durch intelligente Stromnetze hilft dabei, einen großen Bedarf an elektrischer Energie, Engpässe in der Erzeugung oder Störungen des Netzbetriebs in den Griff zu bekommen. Dies geschieht über eine Fernsteuerung. Sie schaltet Elektro-Geräte in Industrie und Haushalten durch Lastabwurf gezielt ab- und wieder zu. Ein Vertrag regelt, wie lange welche Geräte abgeschaltet werden dürfen. Vorteil für den Abnehmer ist entweder ein Preisnachlass auf seinen allgemeinen Stromtarif oder variable Tarife, die ihn finanziell für die Verschiebung seines Bedarfs belohnen.

Hinter dem klassischen DSM steckt eine einfache Idee: Großverbraucher reduzieren bei hoher Stromnachfrage im Netz den Bedarf ihrer Anlagen, damit dann zusätzliche Energie bereit steht. Umgekehrt erhöhen sie bei geringer Nachfrage kurzfristig ihren Verbrauch und entlasten das Netz durch die Abnahme von Überschüssen. So kann der Netzbetreiber flexibler agieren, da er bei Schwankungen über schnell oder sofort abschaltbare Lasten ausgleichend eingreifen kann. Großverbraucher von mindestens 50 Megawatt (MW) erhalten in Deutschland nach der Verordnung zu abschaltbaren Lasten (AbLaV) für spontane Lastabwürfe eine finanzielle Entschädigung. Diese beträgt 2.500 Euro Leistungspreis pro MW für die Bereitstellung der Abschaltleistung und 100 bis 400 Euro Arbeitspreis pro MW-Stunde. Die Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) stellt wiederum alle Großverbraucher mit atypischer Netznutzung tariflich günstig.

Fazit und Ausblick rund um die Energieeffizienz

Für eine stabile Netzversorgung sind strukturelle Veränderungen des Stromnetzes und der Übertragungskapazitäten entscheidend, denn konventionelle Kraftwerke müssen zunehmend für Teillastbetriebe vorbereitet werden. Dies bedeutet unter anderem, dass Spitzenlastkraftwerke und Stromspeicher wichtiger werden und die Marktpreise Anreize zur Flexibilisierung bieten müssen. Nachhaltigkeit im täglichen Umgang mit Energie erfordert eine zunehmende Vernetzung der Erzeuger mit den Verbrauchern. Dies betrifft sowohl den Strom- als auch den Wärmebereich. Gewerbe und Industrie können hier einen Beitrag zur Optimierung leisten.

 
 
Bettina Gehbauer-Schumacher

Bettina Gehbauer-Schumacher

1973 in Darmstadt geboren. Architekturstudium an der TU Darmstadt, Diplom 2001. Berufsbegleitendes Fernstudium PR+plus, 2004 Abschluss als PR-Beraterin (DPRG). Ab 2001 kontinuierlich in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig, seit 2006 freie Journalistin, Autorin und Leiterin des Büros „Smart Skript – Fachkommunikation für Architektur und Energie“: Konzepte, Redaktion, Veranstaltungen.

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