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Nachhaltigkeit standardisiert messen

Die Berichterstattung rund um das Thema Nachhaltigkeit wurde entscheidend durch die Arbeit der Global Reporting Initiative (GRI) gefördert, die hierzu einen international anerkannten Leitfaden vorlegte, sowie durch die zunehmende Bedeutung ökologisch-ethischer Finanzanlagen (Socially Responsible Investments, SRI) und deren Indexe. Diesen liegen Bewertungen von SRI-Ratingagenturen zu Grunde. Sie stützen sich dabei unter anderem auf die von den Unternehmen publizierten Nachhaltigkeitsberichte. In Deutschland sind große Unternehmen seit 2006 verpflichtet, in den Geschäftsberichten die Entwicklung zu Umwelt- und Arbeitnehmerbelangen darzulegen. Seit 2017 müssen sie nach der Richtlinie 2014/95/EU auch nichtfinanzielle und die Vielfalt betreffende Informationen bereit halten.

Messbarkeit von Nachhaltigkeit

Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) ist ein freiwilliger Standard, der vom Rat für Nachhaltige Entwicklung gemeinsam mit Finanzanalysten, Unternehmen, Wissenschaftlern und weiteren Experten entwickelt wurde. Unternehmen können in zwanzig Kriterien und einer Auswahl von quantifizierbaren Leistungsindikatoren ihre Nachhaltigkeitsleistungen beschreiben und eine Konformitätserklärung veröffentlichen. Der Kodex versteht sich nicht als zusätzliche Anforderung, sondern basiert auf Kriterien der GRI.

Die GRI-Leitlinien verlangen unter anderem genau definierte Kennzahlen zu wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Aspekten der Tätigkeiten, Produkte und Dienstleistungen des berichtenden Unternehmens. Für verschiedene Branchen gibt es spezielle Ansprüche. Eine integrierte Unternehmensberichterstattung zielt wiederum darauf ab, die klassische Finanzberichterstattung mit der Auskunft über nicht-finanzielle Aspekte zu verbinden. Hintergrund ist die Annahme, dass für den langfristigen Unternehmenserfolg auch soziale und ökologische Aspekte eine bedeutende Rolle spielen und dass ausführliche Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichte durch einen knappen Bericht ergänzt oder ersetzt werden könnten. In 2013 wurde dazu das International Integrated Reporting Framework (IR) veröffentlicht.

Weitere relevante Standards sind der Global Compact – ein Pakt, der zwischen Unternehmen und der UNO geschlossen wird, um die Globalisierung sozialer und ökologischer zu gestalten – sowie EMAS, das Eco-Management and Audit Scheme der Europäischen Union. Mit diesem Instrument sollen alle Unternehmen und Organisationen dabei unterstützt werden, ihre Umweltleistung kontinuierlich zu verbessern.

Qualität und Kerninhalte von Nachhaltigkeitsberichten

Die Qualität und Glaubwürdigkeit der Nachhaltigkeitsberichte wird durch Rankings und Auszeichnungen unabhängiger Institutionen gefördert. In Deutschland wurde beispielsweise schon 1994 vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und future e.V. die weltweit erste kriterienbasierte Bewertung von freiwilligen Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichten durchgeführt. Angesichts der rasant steigenden Anzahl solcher Erklärungen konzentrieren sich beide nun auf die Berichterstattung der 150 größten deutschen Unternehmen.

Das Bundesumweltministerium hat Kerninhalte von Nachhaltigkeitsberichten in einer Broschüre zusammengefasst. Diese gehen bis auf wenige Punkte nicht über die Anforderungen von GRI Stand G3 hinaus (aktuell ist GRI-G4). Mit ihnen wird die Berichterstattung über den Lebenszyklus transparent und die Funktionsfähigkeit der Managementsysteme dokumentiert.