Die Europäische Union modifiziert das öffentliche Vergaberecht für Pharmazeutika, um strukturellen Lieferengpässen bei kritischen Medikamenten wie Antibiotika oder Fiebersäften entgegenzuwirken. Die Neuregelung erlaubt es Vergabestellen, Produkte aus europäischer Produktion gezielt zu bevorzugen, um kritische Abhängigkeiten von Drittstaaten zu reduzieren. Zudem wird die grenzüberschreitende, gemeinsame Beschaffung (Joint Procurement) für seltene Krankheiten erleichtert. Die Regeln treten nach der finalen Bestätigung durch die EU-Mitgliedstaaten in Kraft.
“Buy European” im Pharmabereich: Anreize für heimische Produktion
Um die Versorgungssicherheit zu stabilisieren, führt die EU neue vergaberechtliche Steuerungsmechanismen ein. Diese greifen insbesondere bei Arzneimitteln, bei denen eine hohe Importabhängigkeit von wenigen Herkunftsländern besteht:
- Bevorzugung europäischer Ware: Öffentliche Auftraggeber dürfen Angebote mit einem hohen Wertschöpfungsanteil innerhalb der EU im Vergabeverfahren privilegieren.
- Proportionale Vergütung: Als konkreter Anreiz für Bieter können Lieferanten proportional zu dem Anteil der in der EU hergestellten Arzneimittel und deren pharmazeutischer Wirkstoffe vergütet werden.
Marktversagen abfedern: Gemeinsame Beschaffung durch EU-Staaten
Ein weiterer Kernbestandteil der Strategie betrifft Nischenmärkte, in denen herkömmliche Marktmechanismen versagen:
- Bündelung der Nachfrage:
Mehrere EU-Mitgliedstaaten erhalten das Recht, sich für gemeinsame Vergabeverfahren zusammenschließen. - Fokus auf seltene Erkrankungen:
Da die geringe Nachfrage in einzelnen Ländern oft zu mangelnden wirtschaftlichen Anreizen für Hersteller führt, soll die aggregierte Beschaffung die Verfügbarkeit von Spezialmedikamenten sichern.
FAQ
Wie bekämpft die EU die Arzneimittelknappheit über das Vergaberecht?
Durch neue Vergaberegeln dürfen öffentliche Auftraggeber künftig Medikamente und pharmazeutische Wirkstoffe bevorzugen, die innerhalb der Europäischen Union hergestellt wurden, um die Abhängigkeit von Drittstaaten zu senken.
Was bedeutet proportionale Vergütung bei der Medikamentenbeschaffung?
Das bedeutet, dass Lieferanten bei öffentlichen Aufträgen höher oder bevorzugt vergütet werden können, wenn ein größerer Teil ihrer Arzneimittel und Wirkstoffe nachweislich in der EU produziert wurde.
Warum erlaubt die EU die gemeinsame Beschaffung von Medikamenten durch mehrere Staaten?
Bei seltenen Erkrankungen reicht die Nachfrage eines einzelnen Staates oft nicht aus, um Hersteller am Markt zu halten. Die gemeinsame Beschaffung bündelt das Einkaufsvolumen und sichert so die Versorgung.
Quellen:
Deutsche Presse-Agentur, zum Beispiel im Deutschen Ärzteblatt

