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10.07.2013, Deutschland

Handwerk durch EU-Ausschreibungen bedroht?

Regionale Handwerksbetriebe fürchten einen Auftragsrückgang, wenn die Behörden umfangreicher europaweit ausschreiben.

Auch Städte und Gemeinden sind von der Schuldenbremse indirekt betroffen. Kommunen können weniger finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, da sie durch die Länder mittelbar von den Auswirkungen der Schuldenbremse tangiert sind. Um also Geld zu sparen, senken Gemeinden und Städte die Ausgaben für Reparaturen an öffentlichen Gebäuden und viele Behörden planen zudem Arbeitsleistungen in Ausschreibungen so zusammenzufassen, dass sie europaweit ausgeschrieben werden müssen. Beratungsfirmen spielen dabei eine wesentliche Rolle, haben sie doch errechnet, dass öffentliche Auftraggeber bei einer Bündelung bis zu 15 Prozent einsparen können. Die Folgen sind dann aber nicht nur mehr Geld im Stadtsäckchen. Durch eine europaweite Ausschreibung erweitert sich der Bieterkreis. Dadurch werden mehr billigere Angebote abgegeben, mit denen das lokale Handwerk oft nicht konkurrieren kann. Daher nicht überraschend: Die mittelständischen Handwerksbetriebe schlagen Alarm.

Das Beispiel Oberhausen

Die Sparpläne der Stadt Oberhausen sind hierfür das jüngste Beispiel in den Medien. In den nächsten zehn Jahren sinkt der Etat für die Sanierung öffentlicher Gebäude um ein Vielfaches. Zudem plant die Stadt eine Bündelung der Aufträge, um diese über ihre Tochter „Oberhauser Gebäudemanagement“ in Europa auszuschreiben. Die Oberhausener Handwerksbetriebe betrachten mit Sorge diese Entwicklung, bildet sie doch eine Gefahr für die Arbeitsplätze in der Region. Viele der kleineren Betriebe können es mit dem europäischen Wettbewerb nicht aufnehmen. Das liegt nicht etwa am Können, sondern etwa an der Weigerung der Banken, ihnen die notwendige Bürgschaft zu geben. Daher fordern die Handwerksbetriebe der Region mehr Zeit, um sich auf die Sparpläne der Stadt besser einstellen zu können.

Vorteile durch regionale Vergabe

Dabei liegen für die Handwerksinnungen die Vorteile für die Vergabe an den lokalen Mittelstand klar auf der Hand. Durch ihre Nähe sind die Handwerker schneller erreichbar. Ihr Bekanntheitsgrad in der Region ist entscheidend für Folgeaufträge und daher achten sie auf eine qualitativ hochwertige Arbeit. Zudem schaffen sie Arbeits- und Ausbildungsplätze und erhöhen die Kaufkraft.

Die Zukunft wird entscheiden, ob Handwerksbetriebe wirklich von den Sparmaßnahmen in dem Umfang betroffen sind, wie derzeit befürchtet. Ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Geld der Steuerzahler und den Arbeitsplätzen in der Region wären wünschenswert.

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