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26.05.2017, Schleswig-Holstein

Schließung des Bildungszentrums

Die IHK Schwerin schließt nun endgültig ihr Bildungszentrum. Die Schuld sieht sie beim Landesförderinstitut.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwerin zieht nach den monatelangen Querelen um das von ihr gegründete Bildungszentrum die Reißleine und beendet ihr Engagement. „Das Wirtschaftsministerium hat uns aufgefordert, die Bildungsmaßnahmen vom Markt zu nehmen“, erklärte IHK-Präsident Hans Thon in Schwerin. Nach dem drastischen Rückgang der Schülerzahlen im Land sei ein massives Überangebot entstanden. Aller Voraussicht nach werde das Bildungszentrum, an dem derzeit 200 Facharbeiter eine Qualifizierung absolvierten und 150 Lehrlinge geschult würden, im Juni geschlossen. Das Wirtschaftsministerium betonte, dass die Entscheidung allein „in der Hoheit der Kammer“ liege.

Bereits im Juli 2013 war Insolvenzantrag gestellt worden, nachdem das Landesförderinstitut (LFI) wegen Verdachts auf Subventionsbetrug Anzeige erstattet hatte. Das Förderinstitut war bei Routinekontrollen auf Unregelmäßigkeiten gestoßen und hatte die Justiz eingeschaltet. So sollen erhebliche Mängel bei der Abrechnung von Sachkosten und Honoraren festgestellt worden sein. Laut Thon drohten Rückforderungen samt Zinsen von rund fünf Millionen Euro. Somit sei der Insolvenzantrag für das IHK-Tochterunternehmen zwangsläufig gewesen.

Den Schwarzen Peter erhält das LFI

Thon machte das Handeln des Förderinstituts maßgeblich verantwortlich für die Zuspitzung der Lage. Über mehr als zehn Jahre hinweg habe es keine Beanstandungen gegeben. Von der Rückforderung sei die IHK als alleiniger Gesellschafter überrascht worden. „Der Schwarze Peter liegt beim LFI“, sagte Thon. Er gehe davon aus, dass es nun keine Rückforderungen mehr gebe. Bund und Land hätten rund 8 Millionen Euro in die Bildungseinrichtung investiert. Zudem seien die Lehrgänge staatlich gefördert worden.

Die Schweriner Staatsanwaltschaft hat unterdessen wegen „geringfügiger Schuld“ das Ermittlungsverfahren gegen die frühere Führung des Bildungszentrums eingestellt. Es habe sich gezeigt, dass der Schaden viel geringer sei als vom Förderinstitut angegeben, sagte Behördensprecher Stefan Urbanek. Früheren Angaben zufolge ging es um Fördermittel mit einer Gesamtsumme von 590.000 Euro, die für die Jahre 2007 bis 2010 bewilligt wurden.

Zusammenarbeit wird ausgebaut

Laut Thon sind nunmehr auch die IHK-Pläne vom Tisch, das Bildungszentrum vom Insolvenzverwalter für 1,5 Millionen Euro zurückzukaufen, um weiterhin Lehrgänge anzubieten. Stattdessen solle die Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer und dem privaten Schweriner Ausbildungszentrum ausgebaut werden. Als Reaktion auf die sinkenden Schülerzahlen sei bereits vor Jahren eine Arbeitsteilung vereinbart worden. Wie Handwerkskammer-Geschäftsführer Edgar Hummelsheim sagte, werden am Bildungszentrum des Handwerks künftig auch Lehrgänge im kaufmännischen und IT-Bereich angeboten. Dafür war bislang die IHK zuständig.

Das Bildungszentrum war vor etwa 20 Jahren von der IHK gegründet worden, um Jugendlichen trotz fehlender Angebote aus der Wirtschaft eine Ausbildung zu ermöglichen. Zuletzt wurden dort Spezialkenntnisse vermittelt, die Auszubildende nicht in ihren Firmen bekommen können. Zudem werden Bundeswehrangehörige auf eine Berufslaufbahn im zivilen Leben vorbereitet.

Quelle: dpa

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