Aktuelle Urteile

Formblatt ausfüllen nicht vergessen!

 

Sachverhalt

Im Rahmen der Angebotsprüfung stellte der öffentliche Auftraggeber erhebliche Abweichungen hinsichtlich des angebotenen Preises von der Auftragswertschätzung sowie der weiteren eingereichten Angebote fest. Das mit KEV-Formblättern durchgeführte Verfahren enthielt die Vorgabe, dass die Aufgliederung der Einheitspreise entsprechend dem Formblatt 223 auf Verlangen der Vergabestelle vorzulegen war.

Im Rahmen der preislichen Aufklärung wurde die spätere Antragstellerin aufgefordert, das Formblatt 223 (Aufgliederung von Einheitspreisen) vorzulegen. Das eingereichte Formular war jedoch abweichend formatiert und auch inhaltlich verändert. Daher schloss der öffentliche Auftraggeber die spätere Antragstellerin wegen Nichtvorlage nach § 16 EU Nr. 4 VOB/A und wegen einer verweigerten Auskunft nach § 15 EU Abs. 2 VOB/A aus.

Die Entscheidung

Die Vergabekammer bestätigte den Ausschluss. Die Vergabekammer folgte der bestehenden Rechtsprechung des OLG Düsseldorf, dass ein Fehlen im Sinne des § 16 EU Nr. 4 S. 1 VOB/A nicht nur dann vorliegt, wenn ein Dokument vollständig fehlt, sondern auch bereits bei nicht vollständig vorgenommenen Eintragungen. Die KEV-Formblätter bestehen nicht nur aus einer einzelnen Erklärung, sondern aus einer Vielzahl an Einzelerklärungen.

Zudem kam auch keine Nachforderung oder nachträgliche Ergänzung (§ 15 EU Abs. 3 VOB/A) der unterbliebenen Angaben nicht in Betracht. Die Möglichkeit zur sei nur in Bezug auf Unterlagen eröffnet, welche bereits mit Ablauf der Angebotsfrist einzureichen sind.

Praxistipp

Das verfahrensgegenständliche Formblatt 223 ist zwar in der Praxis bieterseitig sehr umstritten. Die Rechtslage dagegen nicht. Sofern der Auftraggeber sich eine Anforderung vorbehalten hat, so ist dieser Anforderung vollständig nachzukommen. Weiterhin gibt es für die Bieter keine zweite Chance, da eine Nachforderung in diesem Fall nach § 16a EU Abs. 1 S. 2 VOB/A ausgeschlossen ist.

Autor

Dr. Karsten Kayser, Rechtsanwalt und Partner

 

 

Weitere Informationen


Datum: 21.03.2024
Gericht: VK Bund
Aktenzeichen: VK2-78/23
Typ: Beschluss
Wissen

Diese Urteile könnten Sie auch interessieren

30.09.2026 | Urteil

Konzeptwertung mit Punktespannen: Kein Anspruch auf ein mathematisches Bewertungsraster

Die Vergabekammer Baden-Württemberg bestätigt die bisherige Rechtsprechung zur Konzeptbewertung. Bei qualitativen Konzeptwertungen darf der Auftraggeber mit Erfüllungsstufen und Punktespannen arbeiten, ohne jede denkbare positive Einzelidee vorab zu bewerten. Entscheidend sind ein transparenter Erwartungshorizont, eine nachvollziehbare Dokumentation und die neutrale Behandlung eines vorbefassten Planers.
Mehr erfahren
26.08.2026 | Urteil

Ungewöhnlich niedriger Preis: Erfahrung ersetzt keine belastbaren Kalkulationsnachweise

Die Vergabekammer Baden-Württemberg beschäftigte sich ausführlich mit der Auskömmlichkeitsprüfung und bestätigt: In der Preisaufklärung muss der Bieter seine konkreten Kostenvorteile nachvollziehbar und überprüfbar belegen.
Mehr erfahren
13.07.2026 | Urteil

Eignungsleihe: Nachträgliche Erweiterung des Nachunternehmer-verzeichnisses ist unzulässig

Das LG Lüneburg bestätigt: Eine nachträgliche Erweiterung des Nachunternehmerverzeichnisses ist unzulässig und kann zum Angebotsausschluss führen.
Mehr erfahren
30.06.2026 | Urteil

„Vorsprung durch Wissen“ oder „wenn der eine nicht weiß, was der andere tut“

Wissensvorsprung aus einer früheren Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber ist meist kein Problem – außer wenn der Auftraggeber ausschreibungsrelevante Daten nur einem Bieter zur Verfügung stellt.
Mehr erfahren
23.05.2026 | Urteil

Angebotsausschluss nur bei inhaltlichen Änderungen

Nicht jede Zusatzunterlage führt automatisch zum Ausschluss. Das OLG Düsseldorf stärkt die Rechte von Bietern im Vergabeverfahren.
Mehr erfahren
24.04.2026 | Urteil

Zumutbarkeit der Kalkulation bei Rahmenvereinbarungen

Zu hohe Risiken für Bieter? Das OLG Celle setzt klare Grenzen: Wann eine Rahmenvereinbarung nicht mehr kalkulierbar ist und warum Auftraggeber genauer planen müssen.
Mehr erfahren
30.03.2026 | Urteil

Unterkostenverdacht – Warum „äußerst knapp kalkuliert“ nicht als Beweis genügt

Das OLG Frankfurt klärt: Ein Unterkostenverdacht braucht Indizien. Die bloße Behauptung einer „knappen Kalkulation“ reicht für eine Rüge nicht aus. Jetzt Beschluss-Details lesen!
Mehr erfahren
25.02.2026 | Urteil

Auskömmlichkeitsprüfung: Ausschluss bei zu niedrigem Zeitaufwand

Zu niedriger Zeitansatz kann ein Angebot kippen: Die VK Bund bestätigt den Ausschluss nach § 60 Abs. 3 VgV, wenn die Preisaufklärung nicht plausibel gelingt.
Mehr erfahren
27.01.2026 | Urteil

Wann begründen Wertungskriterien eine verdeckt produktspezifische Ausschreibung?

Auch Zuschlagskriterien können eine verdeckte Produktspezifikation begründen – aber nur, wenn sie praktisch dazu führen, dass andere Bieter den Zuschlag nicht (mehr) erreichen können.
Mehr erfahren
16.12.2025 | Urteil

Neubau mehrerer Rettungswachen – Wann liegt ein Gesamtauftrag vor?

Wann müssen mehrere Rettungswachen europaweit ausgeschrieben werden? Erfahren Sie, wann ein Gesamtauftrag vorliegt und welche Rolle Planung und Standorte spielen.
Mehr erfahren
Zum Wissensbereich